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Giftpflanzen auf der Pferdeweide erkennen: die häufigsten in der Schweiz
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Eine Pferdeweide ist kein neutrales Stück Wiese. Sie kann je nach Region und Jahreszeit Giftpflanzen enthalten, die ein Pferd schädigen oder im Extremfall töten. Dieser Beitrag zeigt die häufigsten Schweizer Giftpflanzen, ihre Wirkung und was die Reitbeteiligung beim Weide-Check beobachten muss.
Warum Giftpflanzen ein unterschätztes Risiko sind
Pferde fressen Giftpflanzen meist nicht freiwillig. Das natürliche Geschmacksempfinden warnt sie vor den bitter schmeckenden Stoffen. Doch in zwei Situationen wird diese Sicherheitsbremse aufgehoben.
- Bei zu wenig Futter. Ein hungriges Pferd auf einer kurzen Weide frisst auch, was es normalerweise stehen lässt. Das ist der wichtigste Fall.
- Bei verarbeiteten Pflanzen im Heu. Getrocknet schmecken viele Giftpflanzen weniger bitter, ihre Giftstoffe bleiben aber wirksam. Jakobskreuzkraut im Heu ist deshalb gefährlicher als auf der Weide.
- Bei jungen, neugierigen Pferden ohne erfahrene Herdenmitglieder, die das Fressen-Verhalten vorleben.
Die Schweizerische Vereinigung für Pferdemedizin und die GST weisen regelmässig darauf hin, dass die Mehrheit der Pferd-Vergiftungen in der Schweiz auf wenige bekannte Pflanzen zurückgeht. Wer diese kennt und die Weide regelmässig kontrolliert, reduziert das Risiko erheblich.
Die fünf häufigsten Giftpflanzen für Schweizer Pferdeweiden
Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea). Die gefährlichste Giftpflanze auf Schweizer Weiden. Gelb blühend, oft an Wegrändern und Brachflächen. Enthält Pyrrolizidin-Alkaloide, die die Leber langsam zerstören. Symptome treten oft erst Wochen nach Aufnahme auf, bei Mengen von wenigen Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. Im Heu noch gefährlicher als frisch.
Bergahorn-Samen (Acer pseudoplatanus). Die geflügelten Samen verursachen die atypische Weidemyopathie, eine oft tödliche Muskelerkrankung. Tritt vor allem im Herbst auf, in Weiden mit Bergahorn-Bäumen am Rand. Auch im Frühling können noch Samen am Boden liegen. Die GST hat in den letzten Jahren mehrfach Warnungen veröffentlicht.
Eibe (Taxus baccata). Alle Pflanzenteile ausser dem roten Fruchtmantel sind hochgiftig. Schon eine Handvoll Nadeln kann tödlich sein. Eiben wachsen oft als Hecken um Gärten und können in Weiden am Rand stehen. Symptome treten sehr schnell auf, oft ohne Vorwarnung tot aufgefunden.
Eichen, vor allem Eicheln (Quercus). Die in Eicheln und jungen Eichenblättern enthaltenen Gerbstoffe (Tannine) können in grösseren Mengen zu Koliken, Nieren- und Leberschäden führen. Im Herbst, wenn Eicheln auf die Weide fallen, ist die Gefahr am grössten. Junge Pferde und Ponys sind besonders empfindlich.
Robinie und Goldregen. Bäume und Sträucher mit goldgelben Blüten, oft als Zierpflanzen gepflanzt. Beide enthalten starke Toxine. Auch in der Nähe von Pferdeweiden ist Vorsicht geboten, weil Pferde manchmal über den Zaun fressen.
Weitere Schweizer Giftpflanzen: Fingerhut, Herbstzeitlose, Hahnenfuss (auf der Weide selten gefressen, im Heu gefährlicher), Schierling, Wasserschierling.
Symptome einer Pferd-Vergiftung
Symptome sind je nach Pflanze unterschiedlich, doch einige Muster wiederholen sich.
- Apathie und Fressunlust. Das Pferd steht abseits, wendet sich vom Futter ab.
- Speicheln und Maulschleimhaut-Veränderungen. Vermehrter Speichelfluss, gerötete oder blasse Schleimhaut.
- Bewegungsstörungen. Stolpern, Wackeln, schwankender Gang.
- Kolik-Anzeichen. Unruhe, sich-niederlegen-und-wieder-aufstehen, Wälzen, Schwitzen.
- Atemnot. Erhöhte Atemfrequenz, sichtbar erschwerte Atmung.
- Gelbliche Schleimhäute. Hinweis auf Leberschaden (Jakobskreuzkraut).
- Schwacher, schneller Puls. Hinweis auf Schockreaktion oder Herzkreislauf-Belastung.
Bei mehreren dieser Symptome sofort die Tierärztin rufen, das Pferd ruhig halten und wenn möglich die mutmasslich gefressene Pflanze fotografieren. Auch das eidgenössische Tox Info Suisse hat eine Tierarzt-Notfallnummer und kann erste Hinweise geben.
Weide-Kontrolle: was die Reitbeteiligung tun kann
Die Eigentümerin trägt die Hauptverantwortung für die Weide-Sicherheit. Die Reitbeteiligung leistet aber einen wertvollen Beitrag, weil sie regelmässig am Stall ist und die Weide aus anderer Perspektive sieht.
- Sichtkontrolle bei jedem Weide-Wechsel. Beim Pferd holen oder bringen die Weide in den Blick nehmen. Neue gelbe Blüten am Rand? Eicheln am Boden? Auffällige Pflanzen in den Hecken?
- Fotos verdächtiger Pflanzen. Mit dem Handy ein Foto schiessen und der Eigentümerin schicken. Pflanzen-Bestimmungs-Apps helfen weiter, doch die endgültige Bewertung läuft über die Eigentümerin oder die Tierärztin.
- Saisonale Aufmerksamkeit. Im Frühling und Frühsommer treiben viele Giftpflanzen aus, im Herbst fallen Eicheln und Ahornsamen. Diese Übergangszeiten sind besonders wichtig.
- Weide-Randbereiche prüfen. Pferde fressen oft über den Zaun in Nachbargrundstücke. Eine giftige Hecke in einem Garten am Weide-Rand kann ebenso gefährlich sein wie eine Pflanze in der Weide selbst.
Schweizer Praxis: Heu, Weide, Vorsorge
Die BLV-Übersicht zur Pferdehaltung und die Schweizer Pferdeszene haben sich auf einige Vorsorge-Standards eingependelt.
- Heu mit Vertrauenslieferanten. Heu aus eigener Produktion oder von einem etablierten Lieferanten reduziert das Risiko von Jakobskreuzkraut im Heu deutlich. Heu von unbekannter Quelle vorsichtig prüfen.
- Weide jährlich vor der Saison mit der Eigentümerin abgehen. Gemeinsam einmal pro Jahr die Weide kontrollieren und Giftpflanzen mit der Wurzel entfernen.
- Ausreichend Heu auf mageren Weiden. Pferde fressen Giftpflanzen meist nur, wenn anderes Futter fehlt. Eine kurze Weide muss durch Heu ergänzt werden.
- Junge oder kranke Pferde auf besonders sorgfältig kontrollierten Weiden halten.
- Bei Verdacht sofort handeln. Lieber einmal zu oft die Tierärztin rufen als einmal zu spät.
Häufig gestellte Fragen
Was sind die häufigsten Giftpflanzen für Pferde in der Schweiz? Jakobskreuzkraut, Bergahorn-Samen, Eibe, Eichen-Eicheln und Robinie. Diese fünf decken die meisten Vergiftungsfälle in der Schweizer Praxis ab.
Was tut man, wenn man auf der Weide eine Giftpflanze entdeckt? Pferd sofort von der Weide nehmen, falls es bereits gefressen haben könnte. Eigentümerin und Tierärztin informieren. Pflanze möglichst exakt identifizieren, anschliessend mechanisch entfernen.
Welche Symptome zeigt ein vergiftetes Pferd? Apathie, Appetitlosigkeit, Speicheln, Kolik-Anzeichen, Bewegungsstörungen, Zittern, gelbliche Schleimhäute oder Atemnot.
Wie verhindert man Giftpflanzen-Aufnahme? Weide regelmässig kontrollieren, Giftpflanzen mit Wurzel entfernen, ausreichend Heu auf kurzen Weiden anbieten und in der Nähe von Hecken und Waldrändern besonders aufmerksam sein.
Was sagt die Schweizer Gesetzgebung zur Weide-Sicherheit? Die Tierschutzverordnung verlangt eine tiergerechte Haltung. Halter sind verantwortlich, die Weide regelmässig zu kontrollieren und Risiken zu beseitigen.
Quellen und weiterführende Informationen
- Pferdehaltung in der Schweiz (BLV)
- Tierschutzverordnung TSchV (Fedlex)
- Schweizerische Vereinigung für Pferdemedizin (SVPM)
- Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST)
- Tox Info Suisse
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Stand: Juni 2026