Ratgeber
Pferdepflege bei der Reitbeteiligung: Checkliste für Eigentümerin und RB
6 Min. Lesezeit
Ein Pferd ist nicht nur Reitpartner, sondern täglicher Pflegeaufwand. In einer Reitbeteiligung muss klar sein, wer welche Aufgabe übernimmt, damit das Pferd verlässlich versorgt ist und keine Seite das Gefühl hat, mehr zu tun als vereinbart. Dieser Beitrag bündelt tägliche, wöchentliche und monatliche Pflegeaufgaben in einer druckbaren Checkliste und ordnet die Verantwortung zwischen Eigentümerin und Reitbeteiligung sauber zu.
Warum eine klare Pflegeaufteilung wichtig ist
Pflege ist der unsichtbare Teil einer Reitbeteiligung. Der Reittag dauert eine Stunde, doch davor und danach kommen leicht 30 bis 45 Minuten Versorgung dazu (Aufhalftern, Putzen, Hufe, Trockenreiten, Kontrolle). Wer ohne klare Absprache startet, landet schnell in einer der typischen Streitkonstellationen: das Pferd ist nach dem Reitnachmittag der Beteiligung verschwitzt eingestallt, niemand hat die Hufe gereinigt, oder die Eigentümerin findet am nächsten Morgen Hufschmied-Termine vor, von denen die Reitbeteiligung nichts wusste.
Eine schriftliche Pflege-Aufteilung räumt diese Unklarheiten aus dem Weg. Sie hält fest, was zur Standardroutine gehört, was ausdrücklich nicht zur Reitbeteiligung zählt (zum Beispiel Stallarbeit oder Tierarztkosten) und wie ungewöhnliche Beobachtungen kommuniziert werden. Auf reitbeteiligungen.ch wird genau dieser Punkt als einer der häufigsten Vertragsbestandteile aufgeführt.
Die wichtigsten Pflegeaufgaben
Die Versorgung lässt sich in drei Zeitebenen ordnen. Jede hat ihren eigenen Verantwortungsbereich.
Vor und nach jedem Reiten (täglich, an Reittagen):
- Pferd aus der Box oder Weide holen, aufhalftern, anbinden
- Hufe auskratzen, auf Risse, lose Eisen oder Steine prüfen
- Komplettes Putzen (Striegel, Kardätsche, Mähne und Schweif)
- Satteln und Trensen, Sitzlage und Sattelgurt prüfen
- Nach dem Reiten: Trockenreiten oder im Schritt abkühlen, erneut Hufe auskratzen, Schweiss abputzen, Decke je nach Jahreszeit
- Kurz Beine, Augen und Verhalten prüfen, bevor das Pferd zurück in Box oder Weide kommt
- Auffälligkeiten der Eigentümerin melden (kurze Nachricht reicht)
Wöchentliche Aufgaben:
- Mähne und Schweif intensiver pflegen, bei Bedarf entwirren
- Sattel und Trense reinigen, Lederpflege bei Bedarf
- Decken auslüften und kontrollieren
- Putzbox sortieren, Bürsten reinigen
- Kurzer Blick auf Hufzustand und Eisen, der nächste Hufschmiedtermin lässt sich so früh ankündigen
Monatliche und seltenere Aufgaben:
- Hufschmied im Rhythmus von etwa sechs bis acht Wochen (organisiert die Eigentümerin)
- Entwurmung und Impfungen nach Tierarzt-Plan (Verantwortung der Eigentümerin)
- Zahnkontrolle ein bis zwei Mal pro Jahr (Tierärztin)
- Decken-Wechsel je nach Jahreszeit
- Sattelpassform-Check, vor allem nach Trainings- oder Gewichtsveränderungen des Pferdes
Diese Aufzählung ist die Grundausstattung. Je nach Pferd, Stallart und individuellen Bedürfnissen kommen Themen wie Physiotherapie, Mash-Fütterung oder spezielle Trainings-Routinen dazu, die in der Pflege-Vereinbarung extra erwähnt werden sollten.
Aufgabenverteilung Eigentümerin und Reitbeteiligung
Eine bewährte Faustregel: was direkt rund um den Reittag der Reitbeteiligung anfällt, übernimmt diese auch. Alles, was mit Verträgen, Geld oder medizinischen Entscheidungen zu tun hat, bleibt bei der Eigentümerin.
- Reitbeteiligung übernimmt: Pflege vor und nach dem eigenen Reittag, Hufkontrolle, Trockenreiten, Auffälligkeiten melden, vereinbarte zusätzliche Aufgaben wie ein extra Putztag pro Woche.
- Eigentümerin übernimmt: Hufschmied- und Tierarzttermine, Impfungen, Versicherungen, Stallmiete, Anschaffung von Ausrüstung, längere medizinische Entscheidungen und Notfallorganisation.
- Gemeinsam und nach Absprache: Weide-Wechsel und Stallarbeit (Misten, Füttern), wenn das Teil der Reitbeteiligung sein soll. Diese Aufgaben sind aufwendig und gehören explizit in die Vereinbarung, idealerweise mit Frequenz und Vergütung oder Beitragsreduktion.
Wer Stallarbeit in die Reitbeteiligung mit einbaut, sollte den Mehraufwand realistisch einschätzen. Misten und Füttern für ein Pferd kostet schnell 30 bis 45 Minuten pro Tag, an dem es übernommen wird, und sollte spürbar im Monatsbeitrag spürbar sein (siehe Spannweite und Treiber im Kosten-Ratgeber).
Schweizer Praxis: Tierschutz, Bewegung und Sozialkontakt
In der Schweiz gibt die Tierschutzverordnung (TSchV) konkrete Mindeststandards vor. Für die Pflegeaufteilung sind drei Punkte besonders relevant.
- Mindestens zwei Stunden Auslauf an mindestens zwei Tagen pro Woche sind nach TSchV Art. 61 für jedes Pferd vorgeschrieben (siehe BLV-Übersicht zur Pferdehaltung und TSchV im Fedlex). In den meisten Schweizer Ställen ist das durch tägliche Weide oder Paddock-Zeit ohnehin abgedeckt, doch die Eigentümerin bleibt in der Verantwortung, dass dieser Standard eingehalten wird.
- Sozialkontakt mit Artgenossen ist ebenfalls Pflicht. Ein Pferd darf nicht dauerhaft allein gehalten werden. Wer im Stall sieht, dass Sicht- oder Berührungskontakt zu anderen Pferden fehlt, sollte das melden.
- Bewegung im Reit- oder Führsinn ist gesetzlich nicht in einer festen Stundenzahl geregelt, doch der Verband Swiss Equestrian empfiehlt regelmässige tägliche Bewegung, auch an Tagen ohne Reittermin (Schrittführen, Longieren, Weide). Das ist auch der Hauptgrund, warum Reitbeteiligungen mit ein bis zwei festen Tagen pro Woche so verbreitet sind: zusammen mit der Eigentümerin kommt das Pferd auf eine vernünftige Wochenbewegung.
Diese Eckwerte sind keine optionale Empfehlung, sondern geltendes Recht. Eine Pflege-Aufteilung, die diese Anforderungen ignoriert, ist kein gutes Modell, egal wie fair sie sich anfühlt.
Druckbare Pflege-Checkliste
Diese Checkliste lässt sich abfotografieren, abdrucken oder in den gemeinsamen Stallchat heften. Sie eignet sich auch als Anhang zur schriftlichen Reitbeteiligung-Vereinbarung.
Vor dem Reiten
- Aufhalftern, anbinden
- Hufe auskratzen und sichtprüfen
- Putzen (Striegel, Kardätsche, Mähne, Schweif)
- Satteln, Sitz und Gurt prüfen
- Trensen, Zaum-Sitz prüfen
- Kurz Augen, Beine und Verhalten checken
Nach dem Reiten
- Trockenreiten oder im Schritt abkühlen
- Hufe nochmals auskratzen
- Schweiss abputzen, Decke nach Jahreszeit
- Sattel und Trense in die Sattelkammer
- Pferd zurück in Box oder Weide
- Beobachtungen kurz notieren oder in den Chat schicken
Wöchentlich
- Sattel und Trense reinigen
- Decken auslüften und prüfen
- Mähne und Schweif intensiver pflegen
- Putzbox sortieren
- Hufzustand und Eisen kontrollieren
Verantwortung Eigentümerin (Monat oder seltener)
- Hufschmied alle sechs bis acht Wochen
- Impfungen und Entwurmung nach Plan
- Zahnkontrolle ein bis zwei Mal pro Jahr
- Sattelpassform-Check und Versicherungen
Häufig gestellte Fragen
Welche Pflegeaufgaben gehören in den Alltag einer Reitbeteiligung? Vor dem Reiten gehören Hufe auskratzen, Putzen und Satteln zur Standardroutine. Nach dem Reiten kommen Trockenreiten, erneutes Hufeauskratzen, Putzen und ein kurzer Gesundheits-Check dazu. Stallarbeiten wie Misten oder Füttern werden nur dann übernommen, wenn sie ausdrücklich vereinbart sind.
Wie oft braucht ein Pferd Bewegung und Auslauf? Die Schweizer Tierschutzverordnung verlangt mindestens zwei Stunden Auslauf im Freien an mindestens zwei Tagen pro Woche (TSchV Art. 61). Üblich sind zusätzlich tägliche Bewegung im Sattel oder an der Hand, Weidezeit und Sozialkontakt mit Artgenossen.
Wer ist für Hufschmied und Tierarzt zuständig? Diese Termine organisiert grundsätzlich die Eigentümerin, weil sie das Pferd besitzt und die Verträge führt. Die Reitbeteiligung kann nach Absprache helfen, das Pferd bereitzustellen, übernimmt aber weder die Kosten noch die Verantwortung.
Was prüft ein guter Gesundheits-Check vor und nach dem Reiten? Beine und Hufe auf Schwellungen oder Risse, Augen und Nüstern auf Ausfluss, Fell auf neue Druckstellen, das allgemeine Verhalten und die Fresslust. Auffälligkeiten werden derselben Person gemeldet, die das Pferd zuletzt versorgt hat, und bei der Eigentümerin notiert.
Brauchen wir eine schriftliche Pflege-Vereinbarung? Empfohlen ja. Ein schriftlicher Vermerk über enthaltene und nicht enthaltene Aufgaben beugt Missverständnissen vor. Das gilt besonders, wenn Stallarbeit Teil der Reitbeteiligung sein soll, weil das den Aufwand und damit oft den Monatsbeitrag deutlich verändert.
Quellen und weiterführende Informationen
- Pferdehaltung in der Schweiz (BLV)
- Tierschutzverordnung TSchV (Fedlex)
- Kosten, Aufgaben und Vertrag bei Reitbeteiligung (reitbeteiligungen.ch)
- Swiss Equestrian (vormals SVPS)
- Ratgeber Reiten (markt.ch)
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Stand: Juni 2026