Ratgeber

Pferd im Sommer: Hitze, Bremsen und Weide für die Reitbeteiligung

4 Min. Lesezeit

Im Sommer verschiebt sich die Pferdepflege. Heisse Mittagsstunden, Bremsenplage und schnell wachsende Weiden brauchen mehr Aufmerksamkeit als in den anderen Jahreszeiten. Dieser Beitrag zeigt, worauf die Reitbeteiligung im Schweizer Sommer achtet, welche Schwellen für Reitarbeit gelten und wie sich Bremsen wirksam fernhalten.

Hitze: wann reiten und wann nicht

Die Schweizer Sommer sind in den letzten Jahren wärmer geworden (MeteoSchweiz-Daten zeigen seit den 1980er Jahren eine deutliche Verschiebung der Hitzetage). Für die Reitbeteiligung heisst das: Reitarbeit anpassen statt durchziehen.

  • Bis 25 Grad Celsius: normale Reitarbeit ohne Einschränkung, ausser bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit.
  • 25 bis 28 Grad: Reitzeit in die kühleren Tagesrandstunden verlegen (vor 9 Uhr, nach 19 Uhr), Wasseraufnahme vor und nach dem Reiten sichern.
  • 28 bis 30 Grad: Reitarbeit deutlich reduzieren, kein Galopp, kein Springen. Schritt und kurze Trabphasen sind möglich.
  • Über 30 Grad oder Hitzewarnung: nicht reiten. Wenn überhaupt, dann nur Schritt im Schatten oder Bodenarbeit am Morgen.
  • Sehr schwül (Luftfeuchtigkeit über 70 Prozent): Reitarbeit auch bei 25 bis 28 Grad reduzieren, weil das Pferd seine Wärme schlechter abgibt.

Anzeichen, dass dem Pferd zu warm wird: trockene Schleimhaut um die Maulwinkel, schnelles Atmen auch im Schritt, trockene Haut trotz Schweissmustern oder Apathie. Solche Anzeichen sind ein klares Stop-Signal, das Reiten wird abgebrochen.

Bremsen, Mücken und Fliegen

Die Insektenplage im Schweizer Sommer ist regional unterschiedlich, doch fast überall ist sie spürbar zwischen Juni und September. Auf Swiss Equestrian wird der mehrteilige Schutz als Standard empfohlen.

  • Insektenschutzdecke und Fliegenmaske. Im Stall und auf der Weide. Die Decke sollte luftig sein und am Bauch sowie an den Beinen Schutz bieten. Die Fliegenmaske darf das Sehen nicht behindern.
  • Insektenspray. Vor jedem Stallaufenthalt oder Ritt frisch auftragen, besonders an Beinen, Bauch und Hals. Augen und Maul aussparen.
  • Tageszeit-Management. Bremsen sind am aktivsten zwischen 10 und 17 Uhr. Wer die Weide frühmorgens und spätabends nutzt, reduziert die Belastung erheblich.
  • Schattenplatz. Ein dichter Baum oder ein Unterstand auf der Weide ist im Sommer wichtiger als auf dem Papier. Pferde stehen instinktiv im Schatten, wenn sie können.
  • Wasserstellen sauber halten. Stehendes, schmutziges Wasser zieht Insekten an. Tränken täglich putzen.

Weide-Management im Sommer

Sommerweiden in der Schweiz haben zwei Gesichter: das schnell wachsende, energiereiche Frühlingsgras (Mai bis Juli) und das trockene, kurze Sommergras (August und September). Beide Phasen brauchen Aufmerksamkeit.

  • Anweidezeit im Frühling. Vom Stallaufenthalt schrittweise auf längere Weidezeiten. Beginn mit 30 Minuten am Tag, dann eine Stunde, dann zwei, und so weiter. Dieser Aufbau verhindert Hufrehe-Anfälle und Verdauungsprobleme.
  • Wachstumsschub im Juni. In der Hauptwachstumsphase kann das Gras schnell zu energiereich werden, vor allem nach Regenschauern. Rehe-anfällige Pferde (Ponys, übergewichtige Pferde, Pferde mit Vorgeschichte) bekommen weniger Weide.
  • Trockenperiode im August. Wenn die Weide kahl wird, muss zugefüttert werden. Pferde verlieren Gewicht schneller als gedacht, wenn die Weide nicht mehr trägt.
  • Pferdeäpfel sammeln. Wöchentlich, idealerweise zweimal. Parasiten leben in Pferdeäpfeln und sind im Sommer aktiver.

Die BLV-Übersicht zur Pferdehaltung betont, dass die Weide eine kontrollierte Fütterungsfläche ist, kein Selbstbedienungsbereich. Wer das im Hinterkopf hat, plant Weidezeiten und kontrolliert die Konditionsentwicklung.

Sonnenbrand und helle Hautstellen

Pferde mit hellen Nüstern (Schimmel, Pferde mit weisser Blesse) bekommen tatsächlich Sonnenbrand. Im Schweizer Hochsommer mit klarer Höhenlage kann das schnell gehen.

  • Sonnencreme für Pferde mit hohem Lichtschutzfaktor auf die hellen Hautstellen.
  • Fliegenmaske mit Nasenschutz bei stark betroffenen Pferden.
  • Schattige Weidezeit für besonders empfindliche Pferde.

Bei wunden, schuppigen oder roten Stellen sofort Eigentümerin und Tierärztin informieren.

Schweizer Praxis: Hitzeplan für die Reitbeteiligung

Ein bewährter Sommer-Rhythmus für eine Schweizer Reitbeteiligung sieht so aus.

  • Frühmorgens (6 bis 8 Uhr): ideale Reitzeit von Juni bis August. Pferd ist frisch, Insekten noch ruhig, Temperatur angenehm.
  • Vormittags (8 bis 11 Uhr): Putzen, Sattelpflege, Stallarbeit. Nicht mehr für intensive Reitarbeit.
  • Mittagszeit (11 bis 16 Uhr): Pferd im Stall oder auf einer beschatteten Weide. Reitbeteiligung-Aufgaben sind in dieser Zeit minimal.
  • Spätnachmittag (16 bis 18 Uhr): Weide-Wechsel, leichte Bodenarbeit oder gemütliches Putzen.
  • Abend (18 bis 20 Uhr): zweite mögliche Reitzeit, wenn der Tag noch warm war. Bei kühlen Tagen die Hauptreitzeit der Reitbeteiligung, die tagsüber arbeitet.

Wer als Reitbeteiligung Beruf und Stallbesuch kombiniert, profitiert im Sommer von der Doppelfenster-Struktur (früh oder spät). Mittagsbesuche sind selten produktiv.

Häufig gestellte Fragen

Ab welcher Temperatur sollte man ein Pferd nicht mehr reiten? Ab etwa 28 bis 30 Grad sollte die Reitarbeit deutlich reduziert werden. Über 30 Grad oder bei Hitzewarnungen wird gar nicht geritten.

Was schützt das Pferd vor Bremsen? Insektenschutzdecke und Fliegenmaske, frühe oder späte Weidezeiten, Insektenspray, Schattenplätze und saubere Wasserstellen. Ein Mix wirkt am besten.

Wann muss die Weide am Sommer überprüft werden? Mindestens einmal pro Woche. Bei Hitzeperioden täglich Wasserstellen kontrollieren, im Wachstumsschub auf Hufrehe-Risiko achten.

Wie viel Wasser braucht ein Pferd im Sommer? Im Hochsommer 30 bis 50 Liter pro Tag, manche Pferde mehr. Wer am Stall ist, prüft die Tränke jedes Mal und füllt sie nach.

Was bedeutet die TSchV für die Sommer-Haltung? Die TSchV verlangt Schutz vor extremer Witterung. Im Sommer heisst das Schatten auf Weide oder Paddock und ein kühler, ausreichend belüfteter Stallbereich.

Quellen und weiterführende Informationen

Sommer-Beobachtungen am Pferd festhalten

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Stand: Juni 2026