Ratgeber
Bodenarbeit und Longieren: Basics für die Reitbeteiligung
4 Min. Lesezeit
Bodenarbeit ist der unterschätzte Teil der Pferdehaltung. Sie baut Vertrauen, Konzentration und Muskeln auf, schont das Pferd und macht eine Reitbeteiligung auch an Tagen sinnvoll, an denen Reiten nicht passt. Dieser Beitrag zeigt die Basics von Bodenarbeit und Longieren, was sicher ist und wo die Eigentümerin involviert sein muss.
Was Bodenarbeit umfasst
Bodenarbeit ist ein Sammelbegriff für alles, was Mensch und Pferd vom Boden aus zusammen machen.
- Führen. Die Basis-Disziplin. Pferd geht an lockerer Hand, hört auf Stimme und Körpersprache. Klingt trivial, ist aber oft schlecht ausgebildet.
- Halsringarbeit. Pferd folgt ohne Halfter und Longe nur über die Körpersprache.
- Cavaletti vom Boden. Pferd geht über niedrige Stangen, gymnastisch und konzentrativ.
- Longieren. Pferd geht im Kreis um die Reitbeteiligung, in Schritt, Trab und Galopp.
- Doppellonge. Anspruchsvollere Form mit zwei Longen, ähnlich wie Fahren.
- Gelassenheits-Training. Pferd lernt mit Gegenständen umzugehen (Plastik-Tüten, Regenschirm, Schwebe-Bahn).
Für die Reitbeteiligung sind Führen, Cavaletti vom Boden und Longieren die Standard-Disziplinen. Doppellonge und Halsringarbeit sind anspruchsvoller und brauchen Erfahrung.
Warum Bodenarbeit für die Reitbeteiligung sinnvoll ist
Mehrere Gründe sprechen für Bodenarbeit als Teil der Reitbeteiligung.
- Vertrauen. Pferd und Reitbeteiligung lernen sich vom Boden aus oft besser kennen als unter dem Sattel.
- Muskelaufbau. Cavaletti und Longieren bauen Muskeln auf, ohne dass der Sattel auf dem Rücken liegt.
- Wettertage. An regnerischen oder eisigen Tagen, an denen Reiten nicht geht, ist Bodenarbeit Alternative (siehe Winter-Ratgeber).
- Tage mit kleinen Lahmheiten. Wenn das Pferd nicht geritten werden kann, aber Bewegung braucht, ist Schritt-Führen am Strick eine sanfte Alternative.
- Junge Pferde. Bodenarbeit ist die Hauptausbildung für junge Pferde, bei denen Reiten noch nicht so intensiv geht.
Eine Reitbeteiligung, die Bodenarbeit einsetzt, ist meist abwechslungsreicher und besser für das Pferd als eine, die strikt nur reitet.
Ausrüstung zum Longieren
Die Standard-Ausrüstung zum Longieren in der Schweiz.
- Longe. Mindestens 6 Meter, idealerweise 8 Meter. Hochwertige Longen sind aus Beta-Material oder geflochten.
- Longierpeitsche. Lang genug, dass die Peitschenspitze das Pferd ohne grosse Bewegung erreicht. Nicht zum Schlagen, sondern zur Anweisung.
- Kappzaum oder Knotenhalfter. Kappzaum ist die professionelle Variante, Knotenhalfter eine pragmatische Alternative. Bei manchen Pferden gibt die Eigentümerin auch Trense und Sattel vor.
- Longiergurt. Wenn das Pferd mit Hilfszügeln longiert wird oder zum Fitness-Aufbau.
- Bandagen oder Gamaschen. Schutz für die Beine bei Anfänger-Pferden oder bei Longier-Programmen mit Galopp.
Für die Reitbeteiligung wichtig: kein Helm beim Longieren wegzulassen. Auch wenn man nicht reitet, kann ein bockendes Pferd am Longierstrick zu Verletzungen führen.
Sicher longieren in der Schweizer Halle oder auf dem Aussenplatz
Mehrere Eckwerte machen das Longieren sicher.
- Zirkel-Grösse mindestens 15 Meter Durchmesser. Engere Zirkel belasten die Gelenke und führen langfristig zu Verschleiss.
- Beide Hände gleich oft. Pro Einheit beide Richtungen, mit jeweils Wechsel-Übergängen.
- Boden prüfen. Ein nasser, glitschiger Boden ist gefährlich. Eis und tiefer Schnee sind absolute No-Go-Bedingungen.
- Aussenwitterung beobachten. Bei Wind oder Schneetreiben werden manche Pferde unsicher. Innen-Halle bevorzugen.
- Andere Reiter auf der Bahn. Wer auf einer geteilten Bahn longiert, beansprucht viel Platz. Vorher absprechen, am besten in einer Pause.
- Pferdebahn-Reglement. Manche Schweizer Pensions-Ställe haben Regeln, wer wann longieren darf. Die Reitbeteiligung respektiert diese.
Übungs-Aufbau für 15 Minuten Longieren
Eine sinnvolle 15-Minuten-Einheit für ein normal trainiertes Pferd.
- Aufwärmen (3-4 Minuten). Schritt-Phase auf beiden Händen.
- Hauptarbeit (8-10 Minuten). Trab mit Übergängen, eventuell Galopp-Phasen.
- Abkühlen (2-3 Minuten). Schritt-Phase, Pferd lockern lassen.
- Auflösen. Pferd kommt zur Mitte, Longe wird aufgewickelt, Pferd belohnt.
Diese Struktur passt für ein eingearbeitetes Pferd. Bei jungen oder noch nicht longierten Pferden ist die Einheit kürzer und enthält mehr Schritt.
Was die Reitbeteiligung bei Bodenarbeit beachtet
Bodenarbeit ist sicherer als Reiten, doch nicht risikolos.
- Klare Absprache mit der Eigentümerin. Welche Übungen sind erlaubt, welche nicht? Welche Ausrüstung ist Standard? Welche Linie verlangt die Eigentümerin?
- Keine experimentellen Übungen. Wer eine YouTube-Übung am eigenen Pferd nicht trainiert hat, probiert sie nicht in der Reitbeteiligung aus.
- Keine Überforderung. 20 Minuten Longieren reichen. Mehr ist nicht besser, sondern schädlich.
- Bei Auffälligkeiten abbrechen. Wenn das Pferd hektisch, müde oder unwillig reagiert, ist die Einheit zu Ende. Eigentümerin informieren.
Die BLV-Übersicht und der Verband Swiss Equestrian weisen auf die Verantwortung der Halterin für die richtige Belastung des Pferdes hin. Bodenarbeit ist eine Belastung und gehört zu dieser Verantwortung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist Bodenarbeit und wozu dient sie? Bodenarbeit umfasst alle Arbeit am Pferd vom Boden aus. Sie dient Vertrauen, Muskelaufbau, Konzentration und Abwechslung.
Welche Ausrüstung braucht man zum Longieren? Longe (mindestens 6 Meter), Longierpeitsche, Kappzaum oder Knotenhalfter, eventuell Longiergurt. Helm und feste Schuhe sind Pflicht.
Wie lange darf eine Longier-Einheit dauern? 10 bis 20 Minuten reichen meist. Beide Hände gleich oft. Mehr als 20 Minuten belasten die Gelenke einseitig.
Was ist beim Longieren der häufigste Fehler? Zu kleiner Zirkel. Ein Zirkel unter zehn Meter belastet Gelenke stark. Idealerweise 15 bis 20 Meter Durchmesser.
Darf die Reitbeteiligung selbständig longieren? Nur wenn das mit der Eigentümerin abgesprochen ist und die Reitbeteiligung das Longieren beherrscht.
Quellen und weiterführende Informationen
- Swiss Equestrian
- Pferdehaltung in der Schweiz (BLV)
- Tierschutzverordnung TSchV (Fedlex)
- Tipps zur Reitbeteiligung (reitbeteiligungen.ch)
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Stand: Juni 2026