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Pferd im Winter: Aufgaben für die Reitbeteiligung in der kalten Saison

5 Min. Lesezeit

Der Schweizer Winter zwingt jede Reitbeteiligung zur Anpassung. Reithalle statt Aussenplatz, Decken-Frage, gefrorene Tränken und kurze Tage. Dieser Beitrag zeigt die wichtigsten Winter-Aufgaben, die richtigen Temperaturschwellen für Reitarbeit und die Schweizer Praxis von November bis März.

Reitarbeit im Winter: was geht, was nicht

Schweizer Winter sind regional sehr unterschiedlich. Das Mittelland bekommt selten dauerhaft Schnee, das Berner Oberland und Engadin haben Wochen mit Frost und Schnee. Die MeteoSchweiz-Daten zeigen für die meisten Regionen Januarmittel zwischen minus 2 und plus 3 Grad.

  • Bis 5 Grad plus, trockener Boden: normale Reitarbeit möglich. Aufwärmen länger als im Sommer, Pferd nach dem Reiten ausführlich abkühlen, sonst kühlt es zu schnell ab.
  • Minus 5 bis plus 5 Grad, leichter Schnee: Reithalle bevorzugt. Aussenreiten nur bei festem, schneefreiem Boden. Galopp und Wendungen vorsichtig.
  • Minus 10 bis minus 5 Grad: Reithalle, weil im Freien die Atemwege belastet werden. Schritt-Trab-Programm, kein hartes Training.
  • Unter minus 10 Grad: kein Reiten, ausser in einer beheizbaren oder mindestens windgeschützten Halle. Pferd nur Bewegung im Paddock oder an der Hand.
  • Eis auf Wegen oder Bahn: kein Reiten. Sturzgefahr.

Anzeichen, dass dem Pferd zu kalt ist: Zittern, klamme Beine, Husten beim Antraben oder ein schmerzhafter Ausdruck. In solchen Fällen sofort zurück in den Stall und auswärmen.

Decke ja oder nein

Die Decken-Frage ist im Schweizer Winter die häufigste Reibung zwischen Eigentümerin und Reitbeteiligung. Die Eigentümerin entscheidet grundsätzlich, weil sie ihr Pferd am besten kennt. Die Reitbeteiligung trägt nach Anweisung auf und ab.

Eine Decke ist nötig bei:

  • Geschorenen Pferden. Nach dem Scheren fehlt der Hauptkälteschutz. Decke ist Pflicht.
  • Sehr alten oder kranken Pferden. Reduzierte Wärmeregulation, vor allem bei dünnen Pferden.
  • Pferden ohne ausreichendes Winterfell. Manche Vollblüter und Süd-Rassen setzen kein gutes Winterfell an.
  • Offenstallhaltung ohne Witterungsschutz bei längeren Phasen unter minus 5 Grad mit Nässe und Wind.

Eine Decke ist nicht nötig bei gesunden Pferden mit vollem Winterfell, die einen trockenen, windgeschützten Liegeplatz haben. Auf Swiss Equestrian wird das mehrfach so dargestellt.

Tägliche Decken-Aufgaben der Reitbeteiligung:

  • Vor dem Reiten Decke runter, Decke trocken zwischenlegen.
  • Nach dem Reiten Pferd komplett trocken vor dem Eindecken, sonst Schimmel und Erkältung.
  • Decke regelmässig kontrollieren auf Sitzschäden (Schulterbereich, Brustgurt, Kruppe).
  • Bei nasser Decke (Regen, Schnee) wechseln und die nasse zum Trocknen aufhängen.

Wasser im Winter: oft das übersehene Risiko

Bei Frost werden Tränken zu Eisblöcken, und Pferde nehmen automatisch weniger Wasser auf. Beides zusammen erhöht das Kolik-Risiko deutlich. Die BLV-Übersicht zur Pferdehaltung und die TSchV verlangen Trinkwasser in ausreichender Menge und Qualität.

  • Mindestens zweimal täglich kontrollieren. Bei stark Frost bedeutet das morgens, mittags und abends.
  • Eis entfernen oder Tränke neu befüllen. Wer eine eisfreie Tränke vorfindet und Eis sieht, entfernt es sofort.
  • Erwärmte Tränken bevorzugen. In modernen Schweizer Pensionsbetrieben sind sie inzwischen Standard. Wenn nicht vorhanden, eventuell mit der Eigentümerin und Stallbetreiberin besprechen.
  • Wassermenge beobachten. Wenn ein Pferd offensichtlich weniger trinkt, kann das ein Frühwarnzeichen sein. Der Mistapfel-Konsistenz-Check (zu trocken, zu hart) ist ein einfacher Indikator.

Hufe und Boden im Winter

Der Winterboden ist hart, oft gefroren und manchmal vereist. Das wirkt auf Hufe, Beine und Reitarbeit.

  • Beim Aufstallen Hufe gründlicher kontrollieren. Schneeklumpen im Huf sammeln sich zu Eisbällen und können stolpern lassen. Mit dem Hufkratzer immer entfernen.
  • Stollen oder Eisbeschlag prüfen. Manche Eigentümerinnen entscheiden, im Winter ohne Eisen oder mit speziellem Schnee-Eisen zu fahren. Die Reitbeteiligung weiss, was am Pferd ist (siehe Hufpflege).
  • Reitplatz-Zustand. Vor jedem Reiten den Platz oder die Bahn prüfen. Eisplatten unter dünner Schneedecke sind eine echte Sturzgefahr.
  • Anrutsche und Verletzungen. Bei kalten Temperaturen sind Muskeln steifer, das Aufwärmen dauert länger. Geduld zahlt sich aus.

Stallklima und Bewegung

Die Tierschutzverordnung (TSchV Art. 61) gilt auch im Winter: mindestens zwei Stunden Auslauf an mindestens zwei Tagen pro Woche. Das ist auch bei Minustemperaturen unverzichtbar.

  • Tägliche Bewegung. Ein Pferd, das eine ganze Woche im Stall steht, ist ein Risiko-Pferd (Steifigkeit, Verstopfungskolik, Stallneurosen). Selbst bei Eis lässt sich an der Hand führen oder im Paddock loslassen.
  • Stallluft. Im Winter wird gerne dicht gehalten, was zu schlechter Luft führt. Ammoniakgeruch ist ein Warnsignal. Bei gutem Wetter lüften, sonst die Stallbetreiberin ansprechen.
  • Sozialkontakt. Auch im Winter dürfen Pferde nicht isoliert werden. Sichtkontakt und idealerweise Berührungskontakt zu Artgenossen ist Pflicht.

Schweizer Winter-Rhythmus für die Reitbeteiligung

Ein bewährter Schweizer Winter-Rhythmus für eine Reitbeteiligung sieht so aus.

  • November und März: Übergangszeit. Wechselhaft, oft nass und kalt. Halle bevorzugt, draussen mit Witterungs-Check.
  • Dezember bis Februar: Reithalle ist die Standard-Reitarbeit. Aussenreiten nur bei trockenem Boden und über null Grad.
  • Tageszeit-Management. Die Tage sind kurz. Wer als Reitbeteiligung berufstätig ist, reitet am Wochenende oder unter Hallenlicht. Werktags fallen die Reittage manchmal aus.
  • Vor jedem Reittag: Wettercheck, Hallenverfügbarkeit, Stallklima. Eine kurze Nachricht an die Eigentümerin, dass man kommt, hilft besonders im Winter.

Häufig gestellte Fragen

Bei welcher Temperatur reitet man im Winter noch? Bis etwa minus 5 Grad ohne Wind ist Reiten gut möglich, wenn das Pferd warm ist und die Bahn nicht vereist. Unter minus 10 Grad oder bei viel Wind und Schnee gehört das Pferd in den Stall oder auf einen sicheren Paddock.

Wann braucht ein Pferd eine Decke und wann nicht? Eine Decke ist nötig, wenn das Pferd geschoren ist, sehr alt oder krank ist, kein Winterfell ansetzt oder im Offenstall ohne Schutz steht. Gesunde Pferde mit vollem Winterfell und Unterstand brauchen meist keine.

Was tut man, wenn die Tränke gefroren ist? Sofort Eis entfernen oder die Tränke ersetzen. Pferde nehmen weniger Wasser auf, wenn es kalt ist, und sind im Winter besonders gefährdet für Verdauungsprobleme.

Welche Reitarten gehen im Winter und welche nicht? Schritt, leichter Trab und kurze Galoppstrecken auf sicherem Boden gehen. Springen, schnelle Wendungen und Gelände im Tiefschnee sind verletzungsanfällig.

Was bedeutet die TSchV für die Winter-Haltung? Die TSchV verlangt einen trockenen, zugfreien Liegeplatz und Schutz vor Nässe und Wind. Die Bewegungspflicht von zwei Stunden Auslauf an mindestens zwei Tagen pro Woche gilt auch im Winter.

Quellen und weiterführende Informationen

Winter-Beobachtungen festhalten

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Stand: Juni 2026