Ratgeber

Entwurmung beim Pferd: Übersicht und Struktur ohne medizinische Empfehlung

4 Min. Lesezeit

Die Entwurmung des Pferdes ist medizinisch komplexer geworden, als sie früher schien. Statt einer pauschalen Routine vier Mal pro Jahr setzt sich in der Schweizer Praxis zunehmend die selektive Entwurmung durch. Dieser Beitrag zeigt die strukturellen Aspekte und die Rolle der Reitbeteiligung, ohne Behandlungs-Schemas zu empfehlen.

Warum dieser Ratgeber nur strukturell bleibt

Welcher Wirkstoff, welche Frequenz und welche Strategie für ein bestimmtes Pferd richtig ist, hängt von vielen Faktoren ab: Alter, Haltungs-Form (Box, Weide, Offenstall), Anzahl Pferde, Parasiten-Situation im Stall, Vorgeschichte und individuelle Risiken.

Die Tierärztin ist die einzige Person, die diese Faktoren zusammen beurteilen und ein konkretes Entwurmungs-Programm festlegen kann. Die GST und die SVPM publizieren regelmässig aktualisierte fachliche Empfehlungen zur Parasiten-Bekämpfung beim Pferd.

Dieser Ratgeber deckt deshalb nur die strukturellen Aspekte ab: Wie ist ein Entwurmungs-Programm aufgebaut, was wird dokumentiert, was kann eine Reitbeteiligung beobachten.

Selektive Entwurmung als zunehmender Schweizer Standard

Die selektive Entwurmung ist ein Strategie-Wechsel, der in der Schweiz zunehmend Standard wird.

  • Klassische Routine-Entwurmung: Feste Termine im Jahr (etwa vier mal), unabhängig vom tatsächlichen Parasiten-Status. Einfach und planbar, aber mit Resistenzbildung-Risiko.
  • Selektive Entwurmung: Vor der Entwurmung wird eine Kotprobe untersucht. Eine Wurmkur wird nur gegeben, wenn die Probe relevantes Parasiten-Aufkommen zeigt. Aufwendiger in der Planung, aber wirksamer gegen Resistenzbildung und schonender für das Pferd.

Auf SVPM-Seiten und in den Fortbildungs-Veranstaltungen der GST wird der selektive Ansatz in vielen Konstellationen empfohlen. Die konkrete Entscheidung liegt aber bei der Tierärztin und der Eigentümerin.

Struktur eines Entwurmungs-Dokuments

Eine gut dokumentierte Entwurmung enthält pro Eintrag mindestens diese Felder.

  • Pferd. Name, TVD-Nummer.
  • Datum. Tag, Monat, Jahr.
  • Anlass. Routine, positive Kotprobe, akute Symptome.
  • Kotprobe vorher. Ja oder nein, mit Datum und Ergebnis falls vorhanden.
  • Wirkstoff oder Präparat. Von der Tierärztin festgelegt.
  • Tierärztin. Name und Praxis.
  • Reaktion. In den Tagen nach der Verabreichung beobachtete Auffälligkeiten.
  • Nächste Kontrolle. Geplanter Termin für die nächste Kotprobe oder Routine.

Diese acht Felder erlauben eine sinnvolle Verlaufs-Beobachtung über Jahre.

Was die Reitbeteiligung beobachtet

Auch ohne medizinische Verantwortung kann die Reitbeteiligung wichtige Beobachtungen beitragen.

  • Fellzustand. Stumpfes Fell, schlechte Aufnahme von Futter trotz normaler Pflege kann ein Hinweis sein.
  • Gewicht und BCS. Ungewollter Gewichtsverlust trotz ausreichender Fütterung ist ein klares Signal (siehe BCS-Ratgeber).
  • Mistkonsistenz. Sichtbare Wurmsegmente, ungewöhnliche Mistkonsistenz, Durchfall.
  • Verhalten. Schwanzscheuern an Pfosten oder Zäunen ist ein klassisches Anzeichen.
  • Allgemeine Vitalität. Apathie, reduzierte Leistungsbereitschaft beim Reiten.

Alle diese Beobachtungen werden der Eigentümerin mitgeteilt, ohne Diagnose-Versuche. Die Tierärztin entscheidet, ob eine Kotprobe sinnvoll ist.

Weide-Management als Teil der Parasiten-Prävention

Die Entwurmung allein reicht nicht. Ein paar Eckwerte beim Weide-Management reduzieren die Parasiten-Last deutlich.

  • Pferdeäpfel regelmässig sammeln. Wöchentlich, im Sommer auch häufiger. Parasiten leben im Mist und werden so von der Weide entfernt.
  • Weide-Rotation. Pferde nicht dauerhaft auf der gleichen Weide halten. Ein Wechsel mit Ruhezeit reduziert die Parasiten-Dichte.
  • Wechselbeweidung mit anderen Tierarten. Schafe oder Rinder weiden Pferde-Parasiten "aus", weil sie für diese nicht der Wirt sind.
  • Anweidezeit beachten. Zu früh und zu intensiv auf die Frühjahrs-Weide setzt Pferde unter Stress, was die Parasiten-Anfälligkeit erhöht.

Die BLV-Übersicht und Swiss Equestrian führen diese Massnahmen als Teil der tiergerechten Haltung auf.

Was die Reitbeteiligung nicht tut

Die Grenze ist klar zu ziehen.

  • Keine Entwurmung verabreichen. Auch keine "harmlosen" oder freiverkäuflichen Mittel. Das ist ausschliesslich Sache der Tierärztin oder der Eigentümerin nach tierärztlicher Anweisung.
  • Keine Diagnose-Versuche. Beobachtungen melden, nicht interpretieren.
  • Keine Frequenz-Änderung. Auch wenn die Reitbeteiligung den Eindruck hat, eine zusätzliche Entwurmung wäre sinnvoll, ist diese Entscheidung der Tierärztin und Eigentümerin vorbehalten.

Häufig gestellte Fragen

Wer entscheidet über die Entwurmung des Pferdes? Die Tierärztin in Absprache mit der Eigentümerin. Die Reitbeteiligung entscheidet nicht und verabreicht keine Wurmkur eigenmächtig.

Was ist eine selektive Entwurmung? Statt fest geplanter Termine wird zuerst eine Kotprobe untersucht. Eine Entwurmung erfolgt nur, wenn die Probe relevantes Parasiten-Aufkommen zeigt.

Was beobachtet die Reitbeteiligung beim Thema Parasiten? Veränderungen im Verhalten, am Fellzustand, im Gewicht, im Misten. Auch Schwanzscheuern an Pfosten ist ein Hinweis. Alle Beobachtungen werden der Eigentümerin gemeldet.

Wie wird die Entwurmung dokumentiert? Im Pferde-Pass, in der Praxis-Software der Tierärztin und in einer eigenen Übersicht.

Können Parasiten auf Menschen übergehen? Die meisten Pferde-Parasiten sind wirtsspezifisch und nicht auf den Menschen übertragbar. Bei Verdacht ist das mit der Tierärztin und der Hausärztin zu besprechen.

Quellen und weiterführende Informationen

Entwurmungs-Übersicht pro Pferd

In HorseCompanion lassen sich Entwurmungs-Daten und Kotproben pro Pferd festhalten. Eine Übersicht über die letzten zwölf Monate ist sofort verfügbar, was vor allem bei Pferdewechsel oder neuen Reitbeteiligungs-Konstellationen praktisch ist. Jetzt kostenlos starten

Stand: Juni 2026