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Body Condition Score (BCS) beim Pferd erklärt: 1 bis 9 verstehen

4 Min. Lesezeit

Der Body Condition Score ist eine standardisierte Methode, um den Ernährungszustand eines Pferdes objektiv zu beurteilen. Statt subjektiv "etwas zu dünn" oder "etwas dick" lässt sich der Zustand auf einer Skala von 1 bis 9 einordnen. Dieser Beitrag erklärt die Henneke-Skala, was eine Reitbeteiligung damit anfangen kann und wo die klare Grenze zur tierärztlichen Diagnose liegt.

Die Henneke-Skala: 1 bis 9 verstehen

Die nach Don Henneke benannte Skala wurde in den 1980er Jahren entwickelt und ist heute international Standard. Sie reicht von 1 (sehr abgemagert) bis 9 (extrem fettleibig).

  • 1 bis 3: Untergewichtig bis sehr abgemagert. Rippen, Hüfthöcker und Wirbel deutlich sichtbar. Krankheitsverdacht.
  • 4 bis 5: Untere Hälfte des idealen Bereichs. Rippen knapp sichtbar oder nicht ganz, Wirbel nicht hervorstehend, Fett moderat.
  • 5 bis 6: Idealer Bereich für die meisten Freizeit- und Sportpferde.
  • 7: Etwas zu fett. Rippen nicht mehr tastbar ohne Druck, Fettauflage am Hals und Schweifansatz deutlich.
  • 8 bis 9: Adipös bis extrem fettleibig. Erhebliche Fettauflage an Hals, Schultern, Rückenlinie. Krankheitsrisiko erhöht.

Der ideale Wert hängt von Rasse, Alter, Nutzung und Lebensphase ab. Die GST und die SVPM verweisen auf den BCS als Standard-Werkzeug in der tierärztlichen Beurteilung.

Die sechs Bewertungspunkte

Die Henneke-Skala wertet sechs Körperregionen visuell und durch Abtasten aus.

  • Hals und Mähnenkamm. Bei niedrigen BCS-Werten erscheint der Hals dünn und mit Knochenkontur. Bei hohen Werten bildet sich ein dicker Mähnenkamm.
  • Hinter der Schulter. Übergang zur Rippenpartie. Bei niedrigen Werten knochige Konturen, bei hohen Werten Fettauflage.
  • Rippen. Bei BCS 4 noch knapp sichtbar, bei 5 leicht tastbar, bei 7 nur mit Druck tastbar.
  • Rückenlinie. Bei niedrigen Werten Wirbelsäule sichtbar, bei hohen Werten breit und flach mit Fettauflage.
  • Hüfthöcker und Becken. Bei niedrigen Werten knochig hervorstehend, bei hohen Werten verschwommen.
  • Schweifansatz. Fettauflage in dieser Region ist ein Hinweis auf hohe BCS-Werte.

Eine genaue Bewertung verlangt Erfahrung. Tierärztinnen und Ernährungsberaterinnen können den BCS sehr präzise bestimmen, eine Reitbeteiligung kann grobe Veränderungen erkennen, aber nicht den exakten Wert.

Was die Reitbeteiligung mit dem BCS anfangen kann

Der BCS ist kein Diagnose-Werkzeug für die Reitbeteiligung. Er ist eher ein Beobachtungs-Rahmen.

  • Veränderungen wahrnehmen. Wer regelmässig am Pferd ist, sieht über Wochen und Monate Veränderungen. "Das Pferd wirkt runder als im Frühling" ist eine hilfreiche Beobachtung.
  • Sachlich an die Eigentümerin kommunizieren. Ohne Wertung, ohne Diagnose. Eine kurze Notiz reicht, damit die Eigentümerin und die Tierärztin entscheiden können.
  • Fotos in regelmässigen Abständen. Ein BCS-Foto pro Saison (Frühling, Sommer, Herbst, Winter) macht Veränderungen sichtbar, ohne dass jemand schätzen muss.

Mehr zur strukturierten Beobachtung in der Reitbeteiligung im Pflege-Checkliste-Ratgeber.

Warum der BCS gerade in der Schweiz relevant ist

Mehrere Faktoren machen die BCS-Beobachtung in der Schweizer Pferdehaltung wichtig.

  • Energiereiches Schweizer Grasland. Im Mai bis Juli ist die Weide oft sehr energiereich, vor allem nach Regen. Pferde, die zu lange auf einer solchen Weide stehen, legen schnell zu (siehe Sommer-Ratgeber).
  • Schweizer Ponys und robuste Rassen. Manche Schweizer Rassen sind genetisch zu Fettansatz veranlagt und brauchen besondere Aufmerksamkeit.
  • Senioren-Pferde. Ältere Pferde verlieren oft Muskel-Masse und sehen dünn aus, obwohl die Fettauflage normal ist. Eine sorgfältige BCS-Bewertung hilft, das richtig einzuordnen.
  • Sportpferde. Im aktiven Training liegt der BCS oft am unteren Ende des idealen Bereichs, was bewusst eingesetzt wird.

Die BLV-Übersicht zur Pferdehaltung verweist auf den Ernährungszustand als Indikator für tiergerechte Haltung.

Auffällige BCS-Veränderungen: was tun

Bei deutlichen Veränderungen ist die Reaktion strukturell, nicht therapeutisch.

  • Eigentümerin informieren. Mit Datum und beobachteten Punkten. Idealerweise mit Foto.
  • Bei dramatischen Veränderungen Tierärztin einbinden. Ein schneller Gewichtsverlust (etwa ein Punkt in zwei Wochen) kann auf eine Krankheit hinweisen.
  • Keine Diät oder Futterumstellung allein. Die Reitbeteiligung verändert die Fütterung nicht eigenmächtig, auch wenn das Pferd offensichtlich zu fett wirkt. Tierärztin oder Ernährungsberatung entscheiden.
  • Bewegungs-Anpassung in Absprache. Mehr oder weniger Reitarbeit nur in Absprache mit der Eigentümerin.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Body Condition Score (BCS) beim Pferd? Eine standardisierte Bewertung des Ernährungszustands nach der Henneke-Skala von 1 (sehr abgemagert) bis 9 (extrem fettleibig). Sechs Körperregionen werden visuell und durch Abtasten beurteilt.

Wie wird der BCS gemessen? Visuell und durch Abtasten an sechs Stellen: Hals, hinter der Schulter, Rippen, Rückenlinie, Hüfthöcker und Schweifansatz. Die Tierärztin liefert die genaueste Einschätzung.

Was ist ein idealer BCS-Wert für ein Freizeitpferd? Bei den meisten Freizeitpferden zwischen 4 und 6. Sportpferde oft bei 4 bis 5, Zuchtstuten bei 5 bis 6.

Wann ist eine Veränderung des BCS bedenklich? Ein Abfall um mehr als einen Punkt innerhalb weniger Wochen oder ein Anstieg um mehr als einen Punkt in derselben Zeit. Anlass, mit Tierärztin und Eigentümerin zu sprechen.

Welche Rolle spielt der BCS in der Reitbeteiligung? Die Reitbeteiligung sieht das Pferd regelmässig und kann Veränderungen früh wahrnehmen. Sachliche Beobachtung an die Eigentümerin ist hilfreich, Diagnose und Therapie gehören zur Tierärztin.

Quellen und weiterführende Informationen

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Stand: Juni 2026