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Pferd richtig putzen: Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Reitbeteiligung

5 Min. Lesezeit

Putzen ist mehr als Sauberkeit. Es ist die tägliche Kontrolle der Haut, der Beine und der Hufe, die jede Reitbeteiligung als erste am Pferd ausführt. Dieser Beitrag zeigt die richtige Reihenfolge, die nötigen Werkzeuge und die Schweizer Praxis, damit du Schritt für Schritt sicher und schnell putzt.

Warum richtig putzen wichtiger ist als schnell putzen

Beim Putzen geht es nicht in erster Linie um saubere Haut, sondern um drei Funktionen.

  • Gesundheits-Check. Hautveränderungen, Druckstellen, frische Verletzungen, geschwollene Beine fallen sofort auf, wenn die Hand systematisch über den Körper geht. Wer das gleich macht, bemerkt eine angeschwollene Fessel mehrere Tage früher.
  • Vorbereitung für Sattel und Trense. Schmutz unter dem Sattelgurt oder hinter den Ohren führt zu Druckstellen, Reibung und in der Folge zu Verhaltens-Auffälligkeiten beim Reiten. Sauberes Putzen verhindert das.
  • Beziehung zum Pferd. Putzen ist die ruhige Zeit, in der das Pferd den Menschen liest und der Mensch das Pferd. Wer immer hektisch oder ohne Konzentration putzt, schliesst diesen Kanal.

Die Tierschutzverordnung macht keine Vorgaben zur Putztechnik, doch sie verlangt eine tiergerechte Versorgung, und sauberes Fell ohne Druckstellen ist Teil davon.

Das Standard-Werkzeug

Sieben Werkzeuge decken den Stallalltag ab.

  • Hufkratzer: für die Hufpflege vor und nach jedem Reittag.
  • Striegel: Gummi oder Plastik, für die Vorreinigung von Schmutz und losen Haaren.
  • Kardätsche: mittelharte Borste, für die zweite Reinigung und das Glätten des Fells.
  • Mähnenkamm: breite Zinken bei langer Mähne, schmale Zinken bei kurzer.
  • Schweifbürste: zum Auskämmen, idealerweise mit Anti-Tangle-Spray.
  • Weiches Tuch oder Schwamm: für Augen, Nüstern und empfindliche Stellen.
  • Hufölpinsel und Huföl: optional bei trockenen Hufen oder vor Turnieren.

Auf reitbeteiligungen.ch wird empfohlen, dass die Reitbeteiligung diese Putzbox selbst pflegt: Bürsten reinigen, defekte ersetzen, sauber zurücklegen. Das ist Teil der Pflegeaufgabe.

Schritt für Schritt vor dem Reiten

Die Reihenfolge ist nicht beliebig. Sie schont das Pferd und verhindert, dass Schmutz unter den Sattel kommt.

  • Schritt 1: Pferd anbinden. Sicher anbinden mit Sicherheitsknoten, nie an einem Ring ohne Schnellauslösung. Wenn das Pferd in der Box geputzt wird, Tür schliessen.
  • Schritt 2: Hufe auskratzen. Linkes Vorderbein zuerst, dann rechtes Vorderbein, dann hinten. Sichtprüfung auf Risse, Fremdkörper, Strahlfäule und lose Eisen. Auffälligkeiten der Eigentümerin melden.
  • Schritt 3: Striegeln. Mit dem Gummistriegel in kreisenden Bewegungen über Hals, Schulter, Rücken, Flanke, Kruppe und Beine über dem Knie. Nicht über Knochenstellen, nicht über die empfindliche Bauchseite, nicht unterhalb des Knies. Bei Fellwechsel länger striegeln.
  • Schritt 4: Kardätschen. Mit der Kardätsche in Haarrichtung den gelösten Schmutz abnehmen. Über den gesamten Körper, auch Beine unterhalb des Knies und Gesicht (sehr weich).
  • Schritt 5: Gesicht und empfindliche Stellen. Mit weichem Tuch oder Schwamm um Augen und Nüstern. Niemals direkt ins Auge oder die Nüster wischen, immer von innen nach aussen.
  • Schritt 6: Mähne und Schweif. Mit Mähnenkamm vorsichtig die Mähne durchkämmen, beim Schweif immer von unten nach oben kämmen, sonst werden Haare ausgerissen.
  • Schritt 7: Sattellage prüfen. Mit der Hand über die Bereiche von Sattellage und Sattelgurt fahren. Saubere, trockene, druckstellen-freie Haut ist Voraussetzung für ein gesundes Reiten.

Diese sieben Schritte dauern routiniert 15 bis 20 Minuten und sind die Basis-Routine vor jedem Reiten.

Schritt für Schritt nach dem Reiten

Nach dem Reiten sind drei Schritte wichtig.

  • Schritt 1: Trockenreiten. Im Schritt drei bis fünf Minuten abkühlen, bis das Pferd nicht mehr atmet wie unter Belastung. An heissen Tagen länger.
  • Schritt 2: Schweiss entfernen. Wo der Sattel und der Sattelgurt sass, mit dem Schwamm oder einem feuchten Tuch sauber wischen. Bei viel Schweiss komplett abspritzen oder abwaschen (warmes Wetter), nicht abspritzen bei kühler Witterung.
  • Schritt 3: Hufe nochmals auskratzen. Erde, Steine, Sand aus dem Reitplatz raus. Schon ein Stein im Strahl kann das Pferd in der nächsten Nacht lahmen lassen.

Anschliessend Decke je nach Jahreszeit, Pferd zurück in Box oder Weide, Sattel und Trense in die Sattelkammer. Auf Swiss Equestrian wird das Trockenreiten als der am häufigsten vernachlässigte Schritt nach dem Reiten bezeichnet.

Schweizer Praxis: Fellwechsel und Saisonen

Zwei Schweizer Saisonen verlangen besondere Aufmerksamkeit.

  • Fellwechsel im Frühling (März bis Mai): Pferde verlieren das Winterfell und brauchen täglich gründliches Striegeln. Ein Tag ohne Striegel führt zu verklebtem Fell unter dem Sattel und Druckstellen. Wer als Reitbeteiligung in dieser Zeit aktiv ist, plant 25 bis 35 Minuten Putzzeit ein.
  • Schlammsaison Herbst und Frühling (Oktober bis Mai): Im Schweizer Mittelland trocknet die Weide langsam. Pferde kommen mit Beinen voller Schlamm zurück. Die Schlammkruste vor dem Striegeln ein paar Minuten antrocknen lassen, dann mit dem Striegel ablösen. Niemals direkt aus dem Stand kratzen, das reibt die Haut wund.

Im Sommer und Winter ist das Putzen meist kürzer, weil das Fell sauberer bleibt. Was bleibt, ist die Hufkontrolle, die jede Saison gleich wichtig ist (siehe Hufpflege).

Häufig gestellte Fragen

Welche Werkzeuge braucht man zum Putzen? Hufkratzer, Striegel (Gummi oder Plastik), Kardätsche (mittelharte Borste), Mähnenkamm und ein weiches Tuch oder eine Schwammbürste fürs Gesicht. Bei langem Haar zusätzlich eine Schweifbürste.

In welcher Reihenfolge wird ein Pferd geputzt? Erst Hufe auskratzen, dann Striegel im Kreis über Körperpartien (nicht über Knochen), Kardätsche entlang der Haarrichtung, Gesicht mit weichem Tuch oder Schwamm, zuletzt Mähne und Schweif.

Wie lange dauert ein gutes Putzen? Vor dem Reiten 15 bis 20 Minuten, nach dem Reiten 10 bis 15 Minuten. An einem Tag mit längerem Striegeln (Fellwechsel) kann das Putzen auf 30 bis 40 Minuten anwachsen.

Was darf man beim Putzen auf keinen Fall tun? Mit dem Striegel über empfindliche Stellen (Beine unterhalb des Knies, Knochenstellen, Bauch, Schweifrübe) gehen. Hufe nur in einer Richtung auskratzen, nie ins Pferd hinein. Pferd nie ohne Anbindung putzen.

Quellen und weiterführende Informationen

Pflege-Beobachtungen am Pferd festhalten

In HorseCompanion lassen sich Beobachtungen aus dem täglichen Putzen pro Pferd dokumentieren: Druckstellen, kleine Schwellungen, Hufzustand. So sieht die Eigentümerin den gleichen Verlauf wie die Reitbeteiligung. Jetzt kostenlos starten

Stand: Juni 2026