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Kolik beim Pferd erkennen: Anzeichen und strukturierte Sofortmassnahmen

5 Min. Lesezeit

Eine Kolik ist die häufigste lebensbedrohliche Akutsituation in der Pferdehaltung. Schnelles, strukturiertes Erkennen und sofortiges Handeln entscheiden über den Verlauf. Dieser Beitrag zeigt die typischen Anzeichen einer Kolik, was eine Reitbeteiligung sofort tun muss und wo die klare Grenze zur medizinischen Behandlung liegt.

Was eine Kolik ist (und was nicht)

Der Begriff Kolik bezeichnet bei Pferden Bauchschmerzen unterschiedlichster Ursachen. Die Ursache zu bestimmen ist Sache der Tierärztin. Für die Reitbeteiligung wichtig: Kolik ist immer ernst.

Die Schweizerische Vereinigung für Pferdemedizin und die GST weisen regelmässig darauf hin, dass die Beobachtungs- und Reaktions-Zeit über den Ausgang einer Kolik mitentscheidet. Eine leichte Kolik kann innerhalb von zwei bis drei Stunden behandelt sein, eine schwere Kolik mit Darm-Drehung erfordert eine sofortige Klinik-Operation.

Diese Aufklärung dient ausschliesslich der Erkennung. Behandlungen sind in jedem Fall Sache der Tierärztin.

Die typischen Kolik-Anzeichen

Mehrere Anzeichen können auf eine Kolik hindeuten. Einzeln genommen ist jedes harmlos möglich, mehrere zusammen sind ein klares Notfall-Signal.

  • Unruhe und Scharren. Das Pferd steht nicht ruhig, scharrt mit den Vorderbeinen, geht in der Box auf und ab.
  • Häufiges Niederlegen und Aufstehen. Pferd legt sich, steht wieder auf, legt sich wieder. Manchmal in kurzen Abständen.
  • Wälzen. Das Pferd wirft sich auf den Boden und rollt sich. Bei schwerer Kolik mehrmals nacheinander.
  • Blick zum Bauch. Pferd dreht den Kopf nach hinten und schaut oder beisst gegen den Bauch.
  • Schweissausbruch. Trotz kühler Umgebung sichtbare Schweissperlen, besonders an Hals, Flanken, Bauch.
  • Appetitlosigkeit. Heu wird ignoriert, Wasser wird nicht oder nur wenig getrunken.
  • Vermindertes oder fehlendes Misten. Über mehrere Stunden keine Pferdeäpfel oder sehr trockene, harte Pferdeäpfel.
  • Schnellere Atmung. Atemfrequenz deutlich höher als die normalen 8 bis 16 pro Minute.
  • Apathie oder Unruhe-Wechsel. Das Pferd wirkt teilnahmslos, dann wieder unruhig.
  • Veränderte Schleimhautfarbe. Maul-Schleimhaut deutlich blass, bläulich oder rot.

Bei drei oder mehr dieser Anzeichen sofort die Tierärztin rufen. Bei sehr starkem Wälzen, Schweissausbruch und schneller Atmung gilt höchste Dringlichkeit.

Was die Reitbeteiligung sofort tut

Der Ablauf folgt der allgemeinen Erste-Hilfe-Struktur (siehe Erste-Hilfe-Ratgeber).

  • Pferd sichern. Wenn möglich in der Box belassen, freier Raum um das Pferd schaffen, gefährliche Gegenstände entfernen. Ein wälzendes Pferd kann sich an der Box verletzen.
  • Tierärztin sofort anrufen. Erste Telefonnummer. Symptome klar beschreiben, Zeitachse, Vitalwerte falls bekannt.
  • Eigentümerin sofort informieren. Parallel zur Tierärztin. Sie entscheidet über Klinikfahrt und Versicherung.
  • Vitalwerte messen. Atemfrequenz, Herzfrequenz, Schleimhautfarbe. Diese Werte sind für die Tierärztin Gold wert.
  • Beobachten und Zeit notieren. Was passiert seit wann? Hat sich etwas verändert?
  • Nicht alleine lassen. Bis Tierärztin oder Eigentümerin am Stall ist.

Was die Reitbeteiligung nicht tut

Genau so wichtig wie das richtige Tun ist das richtige Lassen.

  • Keine Medikamente verabreichen. Auch keine "harmlosen" Schmerzmittel. Sie verschleiern Symptome und können den Verlauf verschlimmern.
  • Keine Hausmittel. Bittersalz, Öl, Speisesoda oder andere traditionelle Mittel ohne tierärztliche Anweisung sind nicht erlaubt.
  • Pferd nicht zwanghaft wachhalten. Die alte Empfehlung "auf jeden Fall führen, nicht hinlegen lassen" ist überholt. Wenn das Pferd ruhig liegen will, darf es das.
  • Pferd nicht zwanghaft am Wälzen hindern. Wälzen ist eine Schmerz-Reaktion. Gefahr droht nicht primär vom Wälzen selbst, sondern vom verschluckten Wälzen in engen Räumen.
  • Pferd nicht ohne Anweisung transportieren. Eine Klinikfahrt ohne Tierarzt-Begleitung ist riskant. Anweisung abwarten.

Vitalwerte für die Tierärztin

Diese Messungen helfen der Tierärztin, die Dringlichkeit am Telefon einzuschätzen.

  • Atemfrequenz: Atemzüge pro Minute. Bei Kolik oft 20 oder mehr. Normal 8 bis 16.
  • Herzfrequenz: Schläge pro Minute am Unterkiefer-Puls. Bei Kolik oft 50 oder mehr. Normal 28 bis 44.
  • Schleimhautfarbe: Maul-Schleimhaut. Bei schwerer Kolik blass oder bläulich.
  • Kapillar-Rückfüllzeit: Auf die Schleimhaut drücken, kurz die Stelle weiss machen, Zeit zur Wiederfärbung messen. Normal unter 2 Sekunden. Bei Schock länger.
  • Körpertemperatur: Rektal mit Pferde-Thermometer. Hohe oder sehr tiefe Werte sind Alarmzeichen.

Diese Werte ersetzen keine Diagnose, sondern liefern Informationen für die Tierärztin.

Vorbeugung: was die Reitbeteiligung beitragen kann

Eine Kolik lässt sich nicht garantiert verhindern, doch mehrere Faktoren senken das Risiko und gehören in den Reitbeteiligung-Alltag.

  • Wasser ständig verfügbar. Auf saubere, eisfreie und ausreichende Tränken achten, im Winter besonders (siehe Winter-Ratgeber).
  • Regelmässige Fütterung. Lange Pausen ohne Heu erhöhen das Risiko. Wer am Stall ist, prüft die Heumenge.
  • Bewegung. Tägliche Bewegung im Sattel, an der Hand oder auf der Weide reduziert Verstopfungs-Risiken.
  • Anweidezeit beachten. Im Frühling schrittweiser Übergang zur Weide (siehe Sommer-Ratgeber).
  • Sandkolik-Prävention. In sandigen Regionen Pferdeäpfel auf Sandbeimischung prüfen.
  • Auffälligkeiten melden. Veränderungen im Misten, Wasseraufnahme oder Verhalten der Eigentümerin früh melden.

Die BLV-Übersicht zur Pferdehaltung weist auf diese Faktoren als Bestandteil tiergerechter Haltung hin.

Häufig gestellte Fragen

Was sind die typischen Kolik-Anzeichen beim Pferd? Unruhe, wiederholtes Niederlegen und Aufstehen, Wälzen, Scharren, Schweissausbruch, Appetitlosigkeit, Blick zum Bauch, vermindertes Misten, schnelle Atmung.

Wie schnell muss man bei Kolik reagieren? Sofort. Eine Kolik kann innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich werden. Sobald mehrere Symptome auftreten, ist die Tierärztin ohne weitere Wartezeit zu rufen.

Darf man bei Kolik dem Pferd Wasser geben oder es füttern? Keine Behandlungen ohne Rücksprache. Wasser kann sinnvoll sein, falls das Pferd freiwillig trinkt. Futter wird im Kolik-Verdacht nicht angeboten.

Soll man das Pferd bei Kolik führen? Im Schritt geführt werden kann unter Umständen helfen, aber nur wenn das Pferd kooperativ ist. Die Tierärztin gibt die Anweisung am Telefon.

Welche Vitalwerte braucht die Tierärztin bei einem Kolik-Anruf? Atemfrequenz, Herzfrequenz, Schleimhautfarbe, Körpertemperatur falls möglich. Plus die konkreten Beobachtungen mit Zeitpunkt.

Quellen und weiterführende Informationen

Beobachtungen festhalten

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Stand: Juni 2026